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Afrikanische Schweinepest ASP

 

Seit den ersten Meldungen von Fällen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) 2014 in den Baltischen Staaten, Polen, Ukraine und Russland hat sich die Tierseuche weiter ausgebreitet. Aktuell sind, neben grossen Teilen Osteuropas, mit Belgien und seit September 2020 auch Deutschland, zwei Staaten in West-Europa betroffen. Tschechien konnte die ASP offenbar erfolgreich bekämpfen, und auch Belgien scheint dank massiver Massnahmen auf einem guten Weg zu sein seine Seuchenfreiheit wiedererlangen zu können. Dennoch bedroht die ASP in Belgien Frankreich und Luxemburg akut; auch Asien ist weiterhin massiv betroffen. Importe von Tieren oder tierischen Produkten aus den betroffenen Ländern könnten für die heimische Schweinepopulation eine grosse Gefahr darstellen. Für Wildschweine wurde Ende 2017 für die gesamte Schweiz ein nationales Früherkennungsprogramm erstellt.

Das ASP-Geschehen in Osteuropa und den angrenzenden Staaten wie der Ukraine und Russland ist weiterhin nicht unter Kontrolle. Aus allen betroffenen Staaten werden weiterhin neue Fälle der Tierseuche bei Wildschweinen und auch bei Hausschweinen gemeldet. Das Überspringen der Seuche im September 2020 von Polen in das deutsche Bundesland Brandenburg, in dem derzeit zwei Seuchenherde bestehen, zeigt sie grosse Dynamik dieser Tierkrankheit. Auch in weiten Teilen Asiens breitet sich die Krankheit seit 2018 weiter aus. Alle betroffenen Länder erleiden hohe wirtschaftliche Schäden in der Schweineproduktion, selbst wenn die Krankheit «nur» in der Wildschweinepopulation vorkommt und die Hausschweinehaltungen nach wie vor frei sind. Obwohl die Folgen der Seuche bekannt sind wird in einigen Ländern dennoch illegaler Handel mit ASP-Virus kontaminierte Schweinefleisch-Produkten betrieben.

Eine Erfolgsmeldung darf jedoch aus Tschechien gemeldet werden. Nachdem das Virus dort im Juni 2017 erstmals bei Wildschweinen festgestellt wurde, konnte die Krankheit offenbar durch intensive Bekämpfungsmassnahmen wieder ausgerottet werden. Im April 2019 konnten dort sämtliche Sperrgebiete aufgehoben werden und dies trotz einer sehr hohen Wildschweindichte von 8 – 10 Tieren /km2. Auch in Belgien zeigen sich enormen Anstrengungen und massiven Massnahmen (Keulung sämtlicher Hausschweine in der infizierten Zone; Verbot der Wiederbestossung dieser Betriebe)  Erfolge bei der Ausrottung der Seuche in der Wildschweinpopulation und die Wiedererlangung der Seuchenfreiheit scheint erreichbar. Die akut bedrohten Nachbarstaaten Frankreich und Luxemburg versuchen sich durch Zäune und Wildschwein-freie Zonen (Bejagung) gegen eine Einschleppung der Krankheit zu schützen, was bislang offenbar gelungen ist.

Die Ausbrüche in Tschechien, Belgien und in West-Polen ereigneten sich jeweils mehrere hundert Kilometer entfernt von anderen ASP-Fällen, sodass man davon ausgehen muss, dass die Verschleppung der Krankheit auf menschliche Faktoren (mit ASP-Virus verseuchtes Material und/oder Fleisch) zurückzuführen ist, und nicht durch infizierte Wildschweine ausgelöst wurde. Eine Ausnahme bildet hier der Ausbruch der Seuche im September 2020 im deutschen Bundesland Brandenburg. Hier wurde die Seuche durch wandernde Wildschweine aus Polen, die die Neisse durchschwommen haben, eingeschleppt.

In den bereits seit 2014 von ASP betroffenen Gebieten werden vermehrt Wildschweine mit Antikörpern gegen ASP gefunden. Mehrere aktuelle Studien konnten eine Abschwächung der Virulenz des dort zirkulierenden Virusstammes nachweisen. Dies lässt vermuten, dass die Tiere die Infektion länger überleben und damit als Reservoir fungieren können. Sollte sich diese Vermutung bestätigen würde dies weitreichende Folgen für die Überwachung der ASP in diesen Gebieten bedeuten. Für die Früherkennung in ASP-freien Regionen wie der Schweiz bleibt die Untersuchung von toten Wildschweinen aber nach wie vor am aussagekräftigsten.

Folgen für die Schweiz

Eine gezielte Dezimierung der Schwarzwildpopulation ist ein wichtiger Pfeiler bei der Bekämpfung. Erhöhte Abschussquoten oder Abschussprämien locken Jagdtouristen an. Dabei gehen auch Schweizer Jagdgruppen nach Osteuropa auf Wildschweinjagd und bringen Wildfleisch zurück in die Schweiz. Die Einfuhr von Wildschweinfleisch aus Gebieten in den Restriktionszonen ist verboten, aus Gebieten ausserhalb der Restriktionszonen legal. Dennoch wird dringend davon abgeraten.

Das Risiko einer Einschleppung in die Schweiz bleibt weiterhin hoch und ein Ausbruch von ASP hätte verheerende Folgen für Tiergesundheit und Handel. Präventive Massnahmen sind deshalb sehr wichtig, um die Gefahr einer Einschleppung zu verringern.

Das ASP-Virus ist extrem lange in der Umwelt haltbar, vor allem in Blut, Fleischprodukten und Kadavern infizierter Haus- und Wildschweine. Die grösste Gefahr für einen Eintrag geht von der Einfuhr und Entsorgung bzw. Verfütterung von Schweine- oder Wildschweinefleischprodukten aus, die das ASP-Virus enthalten. Es wird eindringlich vor dem Mitbringen von Schweine- oder Wildschweinefleisch bzw. Fleischerzeugnissen (Schinken, Salami, usw.) aus betroffenen Gebieten gewarnt. Werden Jagdreisen in betroffene Gebiete unternommen, müssen potentiell kontaminiertes Schuhwerk, Kleidung, Gerätschaften, Fahrzeuge vor der Rückkehr sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden. Das BLV hat umfangreiche Informationsmaterialien (Poster, Flyer und Faltblätter) mit den wichtigsten Verhaltensregeln zu ASP in verschiedenen Sprachen erstellt.

Früherkennungsprogramm / Seuchenübungen
Um eine Einschleppung von ASP bei Wildschweinen in die Schweiz möglichst früh zu erkennen, hat das BLV ein nationales Früherkennungsprogramm erstellt. Im Kanton Luzern sind Jäger und Wildhüter bereits seit ca. zwei Jahren aufgefordert, jedes tot aufgefundene, krank erlegte oder beim Aufbruch auffällige Wildschweine dem Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin (FIWI) der Universität Bern zu melden und zur kostenlosen Untersuchung einzusenden.

Zudem bereitet sich der Veterinärdienst Schweiz durch verschieden Übungen auf Stufe Bund und den Kantonen auf einen allfälligen Ausbruch der ASP vor, um bestmöglichst gewappnet zu sein.

Schutz der Schweinehaltungen
Eine weitere gute Nachricht ist die Tatsache, dass Schweinehalter ihre Tierbestände durch eine strikte Einhaltung von Biosicherheitsmassnahmen (Verfütterungsverbot von Speiseabfällen, Zutrittskontrolle, Hygieneschleuse, sichere Umzäunung) effektiv schützen können. Deshalb sind alle Schweinehalter aufgerufen ihre Biosicherheitsmassnahmen zu überprüfen, allenfalls anzupassen und einzuhalten (siehe SUISAG Merkblatt – Schutz vor Wildschweinen).

Bei unklaren Symptomen ist unverzüglich der Bestandestierarzt beizuziehen, der diese mittels Ausschlussuntersuchung auf ASP abklären kann. Seit Februar 2019 wurden in der gesamten Schweiz auf 30 Betrieben Ausschlussuntersuchungen auf ASP durchgeführt. Schweizweit werden tot aufgefundene Wildschweine sowie Abschüsse von kranken Tieren und Unfallwild im Rahmen des nationalen Früherkennungsprogramms ASP Wildschwein untersucht. Seit Februar 2019 wurden 10 Wildschweine im Früherkennungsprogramm untersucht. Im Kanton Luzern wurden seit November 2017 auf zwei Betrieben und bei vier Wildschweinen eine Ausschlussuntersuchung auf ASP durchgeführt, immer mit negativem Ergebnis.
Das aktuelle Vorgehen bei der Probenahme finden Sie im Merkblatt «Nationales Früherkennungsprogramm Afrikanische Schweinepest (ASP) beim Wildschwein: Vorgehen im Kanton Luzern».

Gesetzliche Grundlagen
Die EU-weiten Massnahmen und Restriktionszonen wurden für die Schweiz in die «Verordnung des BLV über Massnahmen gegen die Verschleppung der Afrikanischen Schweinepest im Verkehr mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Island und Norwegen» übernommen.

Wachsam bleiben!
Bei Tierhaltenden, der Tierärzteschaft, den Jägern, Ferienreisenden und Arbeitnehmern aus dem Ausland auf Bauernbetrieben ist weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit angezeigt. Es wird dringend vom Import von Schweine- oder Wildschweinefleisch bzw. Fleischerzeugnissen (Schinken, Salami, usw.) aus allen Gebieten der betroffenen Länder abgeraten, da dies eine potentielle Gefahr für die heimische Hausschwein- und Schwarzwildpopulation darstellt.
Bei unklaren Gesundheitsproblemen auf Schweinehaltungsbetrieben ohne genügende Hinweise auf einen Verdachtsfall wird die Durchführung von Ausschlussuntersuchungen empfohlen.

Stand 23. Oktober 2020

 

 

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Informationen im Detail

Link: BLV - Afrikanische Schweinepest (Poster, Flyer und Faltblätter) https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierseuchen/uebersicht-seuchen/alle-tierseuchen/afrikanische-schweinepest-asp.html

Link: BLV - nationales Früherkennungsprogramm  https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tiergesundheit/frueherkennung/asp-wildschwein.html

Link: BLV - Ausschlussuntersuchung: https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tiergesundheit/frueherkennung/ausschlussuntersuchung.html

Link: IVI - Untersuchungsantrag Ausschlussuntersuchung: https://www.ivi.admin.ch/ivi/de/home/diagnostik/diagnostik-standort-mittelhaeusern.html

Link: BLV-Verordnung zum Schutz gegen die Einschleppung der ASP. https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20173420/index.html

Link: SUISAG Merkblatt – Schutz vor Wildschweinen https://www.suisag.ch/service/dokumente

Nationales Früherkennungsprogramm ASP beim Wildschwein: Vorgehen im Kanton Luzern

Jagdtourismus: Import von Wildschweinen aus dem Ausland

 

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